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Digitale Planungsmethoden: OPEN BIM gehört die Zukunft

Die Planungsmethode BIM erobert zusehends Architektur- und Ingenieurbüros sowie Baustellen im In- und Ausland – und verstärkt damit den Trend zur umfassenden Digitalisierung des Bauwesens.

Autor

Tim Westphal
Fachjournalist aus Berlin, Germany
Digitale Planungsmethoden: OPEN BIM gehört die Zukunft

Die Planungsmethode BIM erobert zusehends Architektur- und Ingenieurbüros sowie Baustellen im In- und Ausland – und verstärkt damit den Trend zur umfassenden Digitalisierung des Bauwesens. Die bis dato traditionell analog orientierte Bauindustrie steht damit weltweit vor einer großen Herausforderung: der Überführung analoger Handwerks- und Produktqualität sowie Fertigungs-Knowhow in zukunftsorientierte digitale Fertigungs- und Bauprozesse.

Um diese Veränderungen zu ermöglichen, müssen Planung, Bauphase, Gebäudebetrieb und somit der gesamte Bauwerkslebenszyklus in der Zukunft berücksichtigt werden. Die Grundlagen hierfür werden bereits bei Projektstart geschaffen – mit der Entscheidung für einen herstelleroffenen und softwareübergreifenden OPEN-BIM-Planungsansatz. OPEN BIM trägt maßgeblich zur gewerkeübergreifenden Kollaboration der Planungspartner*innen im Projekt bei und ist dank des damit verknüpften herstelleroffenen IFC-Standards inzwischen zur Benchmark für ganzheitlich betrachtete Planungs-, Bau- und Betriebsprozesse geworden.

Offener, demokratischer Planungsansatz

Anders als Closed BIM, bei dem sich die Planungspartner*innen auf den Einsatz von Softwarelösungen aus nur einer Produktfamilie und von nur einem Herstellenden einigen, steht OPEN BIM für einen demokratischen Planungsansatz während des gesamten Projektverlaufs. Denn jede*r Planungspartner*in kann weiterhin die bevorzugte Software nutzen. Man benötigt darüber hinaus keine aufwendigen Schulungen in neuen Planungsprogrammen und muss weder interne Arbeitsprozesse anpassen noch teure zusätzliche Softwarelizenzen kaufen oder mieten.

Übersicht über die BIM-Ansätze in der digitalen Planung. Quelle: Hausknecht und Liebich, 2016

Beim Einsatz von OPEN BIM ist es irrelevant, mit welcher Software Architekt*in und Planende jeweils arbeiten. Entscheidend ist vielmehr ein möglichst verlustarmer Datenaustausch zwischen den Planungspartner*innen. Gewährleistet wird der Informationstransfer vor allem über das offene IFC- und das BCF-Kommunikationsformat, die den umfassenden Datenaustausch zwischen den Beteiligten und deren individuellen Programmen erst ermöglichen. Die Nemetschek Group unterstützt den OPEN-BIM-Ansatz dabei ganzheitlich; sie ist – mit allen ihren AEC/O-Marken – über die global unabhängig agierende Organisation buildingSMART in die stetige Weiterentwicklung von IFC und BCF eingebunden und setzt auf offene Planungsstandards für das Bauen der Zukunft.

Digitaler Planungsansatz mit vielfältigem Mehrwert

Der Nutzen für Bauleute, Architekt*innen, Fachplanende, Bauunternehmen, Bewohnende und Betreibende liegt auf der Hand: Neben einer hohen Kostensicherheit im Projekt, und dies bereits in einer modellbasierten Vorplanung, entsteht dank OPEN BIM ein fachübergreifend abgestimmtes Bauwerksmodell von hoher Planungssicherheit und Präzision. Hinzu kommt eine zuverlässige Bauausführung, denn Fehler seitens der Architekt*innen und Fachplanenden lassen sich im Rahmen einer regelbasierten Qualitätskontrolle und -sicherung der Planerfachmodelle bereits lange vor dem ersten Spatenstich finden und beseitigen. Das spart Zeit, Nerven und vor allem Kosten für eine aufwendige Nachbesserung auf der Baustelle.

Darüber hinaus schafft ein Gebäudemodell, das als „As-built-Modell“ bis zur Fertigstellung und Projektübergabe fortgeführt wird, die Basis für ein Facility-Management-Modell mit detaillierter Datenbank. Darin sind unter anderem die tatsächlich verbauten Produkte, Materialien und eingesetzte Werkstoffe sowie technische Daten katalogisiert. Für die anschließende Betriebsphase eines Bauwerks sind dies essenzielle Informationen, zum einen für die effektive Wartung, zum anderen für ein möglichst umfassendes Recycling im Fall eines Umbaus, einer Sanierung oder eines Rückbaus in der Zukunft. Denn gut 80 % der Gebäudekosten fallen während des Betriebs an, nur knapp 20 % während der Bauphase.

OPEN BIM bedeutet Kommunikation, Kooperation und Kollaboration

Die bisher genannten Vorteile kommen vor allem bei einer koordinierten Planung und engen Zusammenarbeit aller eingebundenen Projektpartner*innen zum Tragen. Denn Systemoffenheit im OPEN-BIM-Prozess bezieht sich nicht allein auf technische Parameter, eine gemeinsam abgestimmte Qualität in der Modellierung, die Kommunikation via IFC- und BCF-Austauschformate oder gemeinsam genutzte Kollaborationsplattformen in der Cloud. Vielmehr muss die direkte Kommunikation untereinander offen und lösungsorientiert werden. Damit steht ein Paradigmenwechsel auf deutschen Baustellen an. Das Erkennen und Zuordnen von sowie der gemeinsame, offene und konstruktive Umgang mit Problempunkten und Fehlern wird durch OPEN BIM gefordert und unterstützt. Damit kommt der OPEN-BIM-Ansatz dem seit Planer*innengenerationen forcierten Ziel, Kollaboration und disziplinenübergreifende, integrale Zusammenarbeit auch im Bauprozess fortzusetzen, ein großes Stück näher.

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